Erdbeben am Gardasee
Erdbeben am Gardasee – eine seismisch aktive Region
Auch am Gardasee kann die Erde beben. Kleinere Erdbeben werden in der Region immer wieder registriert und gelegentlich auch von der Bevölkerung wahrgenommen. Stärkere Beben sind deutlich seltener, in der Geschichte des Gardasees sind jedoch mehrere Ereignisse dokumentiert, die Schäden an Gebäuden verursacht haben.
Besonders auffällig ist historisch der westliche Gardasee rund um Salò, Gargnano und die angrenzende Valle Sabbia. Aber auch am Ostufer, im Gebiet des Monte Baldo und nördlich des Sees sind Erdbeben bekannt.
Warum gibt es am Gardasee Erdbeben?
Der Gardasee liegt am Südrand der Alpen in einer geologisch komplexen Region. Die Entstehung der Alpen ist das Ergebnis der Bewegung der afrikanischen beziehungsweise adriatischen und der eurasischen Erdplatte. Diese tektonischen Prozesse dauern bis heute an.
Im Gebiet rund um den Gardasee verlaufen verschiedene geologische Störungs- und Bruchsysteme. Spannungen in der Erdkruste können sich entlang solcher Strukturen lösen und Erdbeben auslösen.
Dabei gibt es deutliche regionale Unterschiede. Historisch fällt insbesondere der westliche Gardasee zwischen Salò, Vobarno und der Valle Sabbia durch seine seismische Aktivität auf. Auch auf der gegenüberliegenden Seite des Sees, im Bereich von Garda, Torri del Benaco und Monte Baldo, sind historische Erdbeben dokumentiert.
Der Gardasee gehört damit zu den seismisch aktiven Gebieten Norditaliens. Das bedeutet allerdings nicht, dass ständig mit schweren Erdbeben gerechnet werden muss. Die meisten registrierten Erdstöße sind schwach und richten keine Schäden an.
Erdbeben am Gardasee – jüngere und historische Ereignisse
Rund um den Gardasee werden immer wieder kleinere Erdbeben registriert. Viele bleiben unbemerkt, einige sind jedoch deutlich zu spüren und sorgen entsprechend auch in den Medien für Aufmerksamkeit.
Nachfolgend finden Sie eine Auswahl jüngerer sowie historisch bedeutender Erdbeben in der Gardaseeregion. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Januar 2026 – Doppel-Erdbeben bei Gargnano
Am Nachmittag des 9. Januar 2026 bebte die Erde am westlichen Gardasee gleich zweimal. Das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie INGV registrierte zunächst um 15.24 Uhr ein Beben der Magnitude 2,5. Nur vier Minuten später folgte ein stärkerer Erdstoß mit einer Magnitude von 3,4.
Das Epizentrum lag rund drei Kilometer nordwestlich von Gargnano in etwa zehn Kilometern Tiefe. Das stärkere Beben wurde rund um den Gardasee deutlich wahrgenommen. Meldungen kamen unter anderem aus Toscolano Maderno, Salò, Manerba, Tignale sowie von der gegenüberliegenden Seeseite aus Brenzone und Malcesine. Auch weiter südlich wurde die Erschütterung wahrgenommen. Schäden oder Verletzte wurden nicht gemeldet.
August 2020 – Erdbeben bei Magasa
Am frühen Morgen des 28. August 2020 wurde im Gebiet von Magasa nordwestlich des Gardasees ein Erdbeben der Magnitude 2,9 registriert. Das Hypozentrum lag in etwa zehn Kilometern Tiefe.
Die Erschütterung wurde vor allem im Alto Garda und in der Valle Sabbia wahrgenommen, unter anderem im Raum Gargnano, Limone, Tremosine, Tignale und Toscolano Maderno. Schäden wurden nicht bekannt.
August 2019 – Erdbeben im Trentino, auch am Gardasee spürbar
Am Morgen des 8. August 2019 registrierte das INGV ein Erdbeben der Magnitude 3,4 rund vier Kilometer westlich von Vallarsa im Trentino. Das Beben ereignete sich in etwa zwölf Kilometern Tiefe.
Obwohl das Epizentrum nicht unmittelbar am Gardasee lag, waren die Erschütterungen auch an verschiedenen Orten rund um den See zu spüren, unter anderem in Malcesine und am westlichen Gardasee. Schäden wurden nicht gemeldet.
Oktober 2017 – Erdbeben bei Brentonico
Am frühen Morgen des 31. Oktober 2017 ereignete sich bei Brentonico nördlich des Gardasees ein Erdbeben der Magnitude 3,1. Das Epizentrum lag rund vier Kilometer westlich von Brentonico, das Hypozentrum in etwa elf Kilometern Tiefe.
Die Erschütterung wurde vor allem am nördlichen Gardasee wahrgenommen, unter anderem in Riva del Garda, Nago-Torbole, Malcesine und Limone. Schäden an Personen oder Gebäuden wurden nicht gemeldet.
September 2017 – Erdbeben am westlichen Gardasee
Am Vormittag des 3. September 2017 wurde am westlichen Gardasee ein Beben der Magnitude 3,4 registriert. Wenige Minuten später folgten weitere schwächere Erdstöße.
Das Hauptbeben war an beiden Ufern des Gardasees zu spüren. Meldungen kamen unter anderem aus dem Raum Gargnano und Gardone Riviera sowie von der gegenüberliegenden Seeseite. Schäden wurden nicht gemeldet.
August 2014 – Erdbeben bei Gargnano
Am Abend des 28. August 2014 ereignete sich bei Gargnano ein deutlich spürbares Erdbeben. In ersten Meldungen wurde teilweise von einer Magnitude um 4 gesprochen. Der INGV-Katalog führt für das Ereignis eine Momentmagnitude von 3,6.
Das Epizentrum lag wenige Kilometer südlich von Gargnano. Das Beben wurde rund um den Gardasee und weit darüber hinaus wahrgenommen. Nach dem Hauptbeben folgten weitere schwächere Erdstöße.
November 2004 – das Erdbeben von Salò
Das bedeutendste Erdbeben der jüngeren Geschichte des Gardasees ereignete sich am späten Abend des 24. November 2004.
Um 22.59 Uhr erschütterte ein starkes Beben den westlichen Gardasee und die Valle Sabbia. Das Epizentrum lag im Gebiet zwischen Salò und Vobarno. Die instrumentell bestimmte Momentmagnitude lag bei rund 5,0; häufig wurde das Ereignis damals als Erdbeben der Stärke 5,2 bezeichnet.
Die Erschütterungen waren in weiten Teilen Norditaliens zu spüren. Besonders betroffen waren Salò und mehrere Orte der Valle Sabbia. In Salò stürzten Schornsteine und Dachziegel herab, Fassaden und Gebäude bekamen Risse. Auch die Kirche San Bernardino wurde beschädigt.
Schwerere Schäden gab es unter anderem in Clibbio und Pompegnino in der Valle Sabbia. Zahlreiche Menschen mussten ihre Wohnungen vorübergehend verlassen. Schwerwiegende Personenschäden blieben glücklicherweise aus.
Das Erdbeben von 2004 ist bis heute das stärkste und folgenreichste Erdbeben am Gardasee in der jüngeren Vergangenheit.
Februar 1932 – Erdbeben am Ostufer
Ein weiteres bedeutendes Erdbeben traf am 19. Februar 1932 vor allem das östliche Gardaseegebiet. Das Epizentrum wird im Bereich des östlichen Gardasees lokalisiert; die Magnitude wird heute mit etwa 5,2 angegeben.
In Garda und Costermano wurden unter anderem herabfallende Schornsteine, beschädigte Decken und Risse an Gebäuden gemeldet. Auch in Bardolino entstanden leichte Schäden. Verletzt wurde nach historischen Berichten niemand.
Die Erschütterungen lösten große Unruhe aus. In Garda verbrachten nach weiteren wahrgenommenen Erdstößen zahlreiche Menschen die Nacht außerhalb ihrer Häuser.
Oktober 1901 – das große Erdbeben von Salò
Zu den bedeutendsten bekannten Erdbeben am Gardasee gehört das Beben vom 30. Oktober 1901. Um 15.49 Uhr wurde die Region um Salò von einer starken Erschütterung getroffen.
Besonders schwere Schäden entstanden in der Umgebung von Salò und in der Valle Sabbia. In Campoverde bei Salò und Pompegnino stürzten Gebäude vollständig oder teilweise ein. Zahlreiche Häuser wurden beschädigt, Schornsteine und Teile von Dächern fielen herab und Mauern bekamen große Risse.
Auch Salò selbst war stark betroffen. Das Ereignis erreichte lokal eine Intensität von VII bis VIII auf der historischen Mercalli-Cancani-Sieberg-Skala. Wissenschaftliche Rekonstruktionen kommen je nach Berechnung auf eine Magnitude im Bereich von etwa 5,4 bis 5,7.
November 1898 – Salò und Valle Sabbia
Am 16. November 1898 bebte die Erde erneut am westlichen Gardasee. Das Erdbeben verursachte in Salò sowie in mehreren Orten der Valle Sabbia moderate Schäden. Historische Berichte erwähnen unter anderem Schäden an Gebäuden und kleinere Felsstürze.
Januar 1892 – westlicher Gardasee
Am 5. Januar 1892 wurde der westliche Gardasee von einem Erdbeben erschüttert, dessen Magnitude heute auf etwa 5 geschätzt wird. Besonders in Salò wurden Schäden registriert. Schornsteine stürzten ein und verschiedene Gebäude bekamen Risse. Das Beben wurde weit über die unmittelbare Umgebung hinaus wahrgenommen.
September 1882 – Monte Baldo
Ein stärkeres historisches Erdbeben ereignete sich am 18. September 1882 im Gebiet des Monte Baldo. Für das Ereignis wird eine Magnitude von etwa 5 angegeben.
Das Beben zeigt, dass nicht nur das Westufer, sondern auch das Berggebiet östlich des Gardasees seismisch aktiv ist.
Kleinere Erdbeben sind am Gardasee keine Seltenheit
Neben den bekannteren Ereignissen werden rund um den Gardasee immer wieder kleinere Erdbeben registriert. Viele davon sind so schwach, dass sie von Menschen überhaupt nicht wahrgenommen werden.
Andere Erdstöße sind deutlich zu spüren – beispielsweise durch ein kurzes Vibrieren, klirrende Gläser oder leicht schwankende Gegenstände –, verursachen aber keine Schäden.
Auch Erdbeben mit einem weiter entfernten Epizentrum können am Gardasee wahrgenommen werden. Deshalb bedeutet die Tatsache, dass ein Erdbeben am Gardasee deutlich zu spüren ist, nicht automatisch, dass sich das Epizentrum unmittelbar am See befindet.
Wie hoch ist die Erdbebengefahr am Gardasee?
Eine genaue Vorhersage von Erdbeben ist nicht möglich. Wissenschaftler können bestimmen, welche Regionen eine höhere oder niedrigere statistische Erdbebengefährdung aufweisen. Wann und wo ein einzelnes Erdbeben stattfinden wird, lässt sich dagegen nicht vorhersagen.
Die historischen Ereignisse zeigen, dass im Gardaseegebiet grundsätzlich auch stärkere Erdbeben möglich sind. Gleichzeitig liegen zwischen größeren lokalen Schadensbeben häufig viele Jahrzehnte.
Für Urlauber besteht deshalb kein Grund, den Gardasee grundsätzlich als besonders gefährliches Reiseziel einzustufen. Erdbeben gehören jedoch – wie in vielen Regionen Italiens – zu den Naturereignissen, die auftreten können.
Was tun bei einem Erdbeben am Gardasee?
Wer sich während eines Erdbebens in einem Gebäude befindet, sollte Ruhe bewahren. Während der Erschütterungen sollte man nicht über Treppen oder mit einem Aufzug ins Freie flüchten.
Schutz bieten beispielsweise stabile Möbel wie ein Tisch. Abstand sollte man insbesondere von Fenstern, Glasflächen, Schränken und Gegenständen halten, die umfallen oder herabstürzen könnten.
Wer sich im Freien befindet, sollte Abstand zu Gebäuden, Mauern, Balkonen, Stromleitungen und anderen Objekten halten, von denen Teile herabfallen könnten.
Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte möglichst an einer sicheren Stelle anhalten und dabei Abstand zu Brücken, Tunneln, Gebäuden, Stromleitungen und möglichen Erdrutschgebieten halten.
Nach einem stärkeren Erdbeben sollte man beschädigte Gebäude verlassen, sobald dies sicher möglich ist, und mit Nachbeben rechnen. Den Anweisungen der Behörden und Einsatzkräfte sollte unbedingt Folge geleistet werden.
In Italien ist der europaweite Notruf unter der Nummer 112 erreichbar.