Fische im Gardasee – welche Arten im größten See Italiens heimisch sind
Fische im Gardasee – eine faszinierende Unterwasserwelt
Der Gardasee ist nicht nur der größte See Italiens, sondern auch einer der artenreichsten. Mehr als 30 verschiedene Fischarten leben in seinem klaren Wasser. Einige sind seit Jahrtausenden heimisch, andere wurden im Laufe der Zeit angesiedelt. Gemeinsam bilden sie ein einzigartiges Ökosystem, das seit Jahrhunderten eng mit der Geschichte der Menschen am Gardasee verbunden ist.
Früher war die Fischerei neben dem Olivenanbau eine der wichtigsten Lebensgrundlagen der Bevölkerung. Heute gibt es nur noch wenige Berufsfischer, doch fangfrischer Seefisch gehört weiterhin zu den kulinarischen Spezialitäten der Region. Besonders bekannt ist die Fischergenossenschaft in Garda. Als besonders fischreich gelten unter anderem die Gewässer rund um die Peschiera di San Vigilio und die Secca del Vò vor Bardolino.
Aal – geheimnisvoller Nachtjäger
Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) gehört zu den faszinierendsten Bewohnern des Gardasees. Tagsüber versteckt sich der langgestreckte Fisch häufig zwischen Steinen oder am Grund, während er vor allem in der Dämmerung und nachts auf Nahrungssuche geht. Er ernährt sich unter anderem von Würmern, kleinen Krebsen und Fischen.
Außergewöhnlich ist seine Fortpflanzung: Europäische Aale wandern zum Laichen über Flüsse und Meer bis in die Sargassosee im Atlantik. Die jungen Aale kehren anschließend in europäische Gewässer zurück. Durch Wanderhindernisse und andere Umweltfaktoren sind die Bestände stark zurückgegangen; der Europäische Aal gilt heute als stark gefährdet.
Agone – traditioneller Fisch des Gardasees
Der Agone (Alosa agone) lebt in großen Schwärmen und gehört seit Jahrhunderten zur traditionellen Fischküche des Gardasees. Die silbrig glänzenden Fische halten sich einen großen Teil des Jahres in tieferen Gewässern auf und kommen während der Fortpflanzungszeit näher ans Ufer.
Besonders bekannt ist der Agone als „Sardina di Lago“ oder „Sarda di Lago“. Trotz des Namens handelt es sich nicht um eine echte Sardine. Traditionell werden die Fische gesalzen und getrocknet und anschließend in Olivenöl eingelegt. Auf diese Weise konnten sie früher über längere Zeit haltbar gemacht werden. Bis heute findet man diese Spezialität auf den Speisekarten rund um den Gardasee.
Barbe – gut erkennbar an ihren Barteln
Die Barbe (Barbus barbus) ist an den vier charakteristischen Barteln an ihrer Oberlippe leicht zu erkennen. Sie hält sich bevorzugt in Bodennähe auf und liebt klares, eher kühles und sauerstoffreiches Wasser über kiesigem, steinigem oder sandigem Grund. Barben ernähren sich unter anderem von Würmern, Weichtieren und Insektenlarven und können mehr als 60 Zentimeter lang werden.
Carpione – die Rarität des Gardasees
Der Carpione (Salmo carpio) ist die wohl außergewöhnlichste Fischart des Gardasees: Er kommt weltweit ausschließlich hier vor und ist damit eine echte Besonderheit. Der zur Familie der Lachsfische gehörende Carpione bevorzugt das kühle, sauerstoffreiche Wasser der tieferen Seebereiche und ernährt sich vor allem von kleinen Krebstieren und anderen wirbellosen Tieren.
Schon seit Jahrhunderten wird der Carpione als besonders hochwertiger Speisefisch geschätzt. Heute sind seine Bestände jedoch stark zurückgegangen und die Art gilt als vom Aussterben bedroht. Verschiedene Schutz- und Wiederansiedlungsprojekte sollen dazu beitragen, diesen einzigartigen Bewohner des Gardasees für die Zukunft zu erhalten.
Döbel – häufig in Ufernähe zu beobachten
Der Döbel (Squalius cephalus, früher Leuciscus cephalus) gehört zu den Karpfenfischen und ist häufig in Ufernähe zu beobachten. Er ist ausgesprochen anpassungsfähig und bei seiner Nahrung wenig wählerisch: Neben kleinen Krebstieren und Insekten frisst er auch pflanzliche Nahrung. Größere Exemplare entwickeln sich zunehmend zu Raubfischen und jagen kleinere Fische wie die Ukelei. Döbel können bis zu etwa 60 Zentimeter lang und mehrere Kilogramm schwer werden.
Flussbarsch – auffällig gestreifter Räuber
Der Flussbarsch (Perca fluviatilis) ist leicht an seinen dunklen Querstreifen und den häufig rötlich gefärbten Flossen zu erkennen. Junge Barsche leben oft in Schwärmen in Ufernähe, während größere Exemplare zunehmend als Einzelgänger unterwegs sind und auch tiefere Bereiche des Sees aufsuchen.
Der Flussbarsch ernährt sich zunächst von kleinen Wassertieren und später zunehmend von anderen Fischen. Er gehört zu den geschätzten Speisefischen des Gardasees. Sein helles, festes Fleisch eignet sich besonders zum Braten und Grillen und findet sich deshalb immer wieder auf den Speisekarten der regionalen Restaurants.
Forelle – die Königin des Sees
Forellen gehören zu den eindrucksvollsten Raubfischen des Gardasees, sind heute allerdings seltener anzutreffen. Besonders die Seeforelle kann stattliche Größen erreichen. Zur Fortpflanzung nutzt sie unter anderem den Fluss Sarca im Norden sowie Bereiche des Toscolano am Westufer. Neben der Seeforelle kommen im Gardasee auch Bach- und Regenbogenforellen vor. Die Fische ernähren sich zunächst von kleinen wirbellosen Tieren und später zunehmend von Jung- und Kleinfischen.
Forellenbarsch – ein Einwanderer aus Nordamerika
Der Forellenbarsch (Micropterus salmoides) ist ursprünglich in Nordamerika beheimatet und wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in europäischen Gewässern angesiedelt. Heute ist der kräftige Raubfisch auch im Gardasee zu Hause. Besonders wohl fühlt er sich in wärmeren, ruhigeren und pflanzenreichen Uferbereichen.
Sein auffällig großes Maul verrät bereits seine Lebensweise: Der Forellenbarsch ist ein geschickter Jäger und ernährt sich von kleineren Fischen, Krebsen und anderen Wassertieren. Er kann eine Länge von mehr als einem halben Meter erreichen und ist aufgrund seiner Kraft auch bei Sportanglern beliebt.
Hecht – der Jäger unter den Raubfischen
Der Hecht (Esox lucius) gehört zu den größten und bekanntesten Raubfischen im Gardasee. Mit seinem langgestreckten Körper, dem großen Maul und zahlreichen spitzen Zähnen ist er perfekt für die Jagd ausgestattet. Er hält sich bevorzugt in Ufernähe und in Bereichen mit dichter Unterwasservegetation auf.
Dort lauert er nahezu regungslos auf vorbeischwimmende Beute und greift blitzschnell an. Auf seinem Speiseplan stehen hauptsächlich kleinere Fische. Große Exemplare können mehr als einen Meter lang werden. Auch als Speisefisch wird der Hecht am Gardasee geschätzt und traditionell unter anderem mit Polenta serviert.
Karpfen – ein Schwergewicht im Gardasee
Der ursprünglich aus Asien stammende Karpfen (Cyprinus carpio) fühlt sich besonders in ruhigeren, wärmeren Gewässern mit schlammigem Grund und Wasserpflanzen wohl. Er ist ein Allesfresser und ernährt sich sowohl von Pflanzen als auch von kleinen Lebewesen am Seegrund. Karpfen können eine Länge von rund einem Meter und ein Gewicht von mehr als 20 Kilogramm erreichen. Vor allem am südlichen Gardasee findet der Karpfen gute Lebensbedingungen.
Lavarello – der Klassiker auf den Speisekarten
Der Lavarello, auch Coregone genannt (Coregonus lavaretus), gehört heute zu den bekanntesten Speisefischen des Gardasees. Ursprünglich war er hier allerdings nicht heimisch, sondern wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts im See angesiedelt.
Der Lavarello bevorzugt das klare, kühle und sauerstoffreiche Wasser der tieferen Seebereiche und ernährt sich hauptsächlich von Plankton und kleinen Wasserorganismen. Sein helles, zartes und relativ grätenarmes Fleisch macht ihn in der regionalen Küche besonders beliebt. In Restaurants rund um den Gardasee wird Lavarello häufig gegrillt und mit Olivenöl, Kräutern und Gemüse serviert.
Quappe – der ungewöhnliche Nachtjäger
Die Quappe (Lota lota) gehört zu den ungewöhnlicheren Bewohnern des Gardasees. Der langgestreckte Bodenfisch ist mit dem Kabeljau verwandt und bevorzugt klares, kühles Wasser. Tagsüber hält er sich meist in tieferen Bereichen auf, während er nachts auf Nahrungssuche geht. Auf seinem Speiseplan stehen Wasserlarven, Würmer, Fischeier und kleinere Fische. Quappen können bis zu etwa 60 Zentimeter lang und mehrere Kilogramm schwer werden.
Schleie – Bewohnerin der ruhigen Uferbereiche
Die Schleie (Tinca tinca) bevorzugt ruhige, pflanzenreiche Gewässer mit schlammigem Boden. Charakteristisch sind ihre gelbgrüne Färbung mit goldenen Reflexen und die kräftige Schleimschicht auf ihren kleinen Schuppen. Schleien können rund 50 bis 60 Zentimeter lang und mehrere Kilogramm schwer werden. Sie sind ausgesprochen anpassungsfähig und kommen auch mit vergleichsweise wenig Sauerstoff im Wasser zurecht.
Ukelei – klein, aber wichtig
Die Ukelei (Alburnus alburnus) ist ein kleiner Schwarmfisch, der klares und sauerstoffreiches Wasser bevorzugt. Obwohl sie meist nur etwa 15 Zentimeter lang wird, spielt sie im Ökosystem des Gardasees eine wichtige Rolle: Für Raubfische wie Hecht, Forelle und Flussbarsch ist sie eine bedeutende Nahrungsquelle. Früher gehörte die Ukelei zudem zu den Speisefischen der Bevölkerung am Gardasee. Sie wurde frisch gegessen, frittiert, eingesalzen oder in der Sonne getrocknet.
Wels – der Riese unter den Fischen
Der Europäische Wels (Silurus glanis) ist der größte Süßwasserfisch Europas und gehört auch zu den eindrucksvollsten Bewohnern des Gardasees. Charakteristisch sind sein breiter, abgeflachter Kopf, das große Maul und die langen Barteln. Welse halten sich bevorzugt in tieferen und ruhigeren Bereichen auf und werden vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv.
Als Raubfisch ernährt sich der Wels hauptsächlich von Fischen, größeren Exemplaren können aber auch andere Beutetiere zum Opfer fallen. Welse wachsen ein Leben lang und können außergewöhnliche Dimensionen erreichen: Exemplare von mehr als zwei Metern Länge und einem Gewicht von über 100 Kilogramm sind möglich. Auch im Gardasee werden immer wieder sehr große Welse gefangen.