Thomas Engels: Warum ihn Tremosine nicht mehr loslässt
Für Thomas Engels ist Tremosine vor allem eines: Ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann. Während viele Besucher die spektakuläre Strada della Forra, die Schauderterrasse oder die Käserei Alpe ansteuern, beginnt für ihn der eigentliche Reiz der Hochebene oft erst dort, wo die bekannten Wege enden.
Zwischen Wäldern, kleinen Bergdörfern und aussichtsreichen Pfaden findet er jene Mischung aus Natur, Bewegung und Entschleunigung, die ihn vor mehr als 20 Jahren nach Tremosine geführt hat. Wer sich hier ein wenig auskennt, kann stundenlang unterwegs sein, ohne einem anderen Menschen zu begegnen. Und genau das macht die Region für ihn so besonders.
Dabei müssen es nicht immer anspruchsvolle Klettersteige oder sportliche Herausforderungen sein. Thomas schätzt vor allem die Vielfalt der Möglichkeiten. Seine persönliche Lieblingstour führt deshalb auch nicht auf einen Gipfel oder durch eine spektakuläre Schlucht, sondern hinauf zum Passo Nota.
Erlebnisse statt Höchstleistungen
Die Strecke verläuft durch die stille Berglandschaft oberhalb des Gardasees, vorbei an Wäldern, Wiesen und weiten Ausblicken. Ziel ist die Berghütte von Bruno, die für Thomas zu den besonderen Orten der Region gehört. Dort kommen heimischer Käse, Schinken, Salami und Polenta auf den Tisch – einfache, ehrliche Produkte, die perfekt zu dieser Landschaft passen.
"Für mich gehört das genauso zu Tremosine wie Klettersteige oder Mountainbike-Touren", sagt Thomas. "Man ist draußen unterwegs, bewegt sich in einer wunderschönen Natur und sitzt anschließend mit gutem Essen und netten Menschen zusammen. Mehr braucht es eigentlich nicht."
Diese Verbindung aus Naturerlebnis, Bewegung und Genuss macht für ihn den besonderen Charakter von Tremosine aus. Und genau daraus entstand auch die Idee seiner sogenannten Gustouren – einer Mischung aus dem italienischen Wort Gusto für Genuss und geführten Wander- oder E-Bike-Touren, die bewusst nicht auf Höchstleistungen, sondern auf unvergessliche Erlebnisse setzen. Eine andere seiner Touren führt entspannt über die Hochebene von Tremosine und endet an einer der besten Eisdielen der Region. Auch das gehört für Thomas zu einem gelungenen Tag am Gardasee. Dass er heute Gästen seine Lieblingsorte zeigt, war ursprünglich eigentlich nicht geplant.
Eine andere seiner Touren führt gemütlich über die Hochebene von Tremosine und endet an einer der besten Eisdielen der Region. Auch das gehört für Thomas zu einem gelungenen Tag am Gardasee.
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Vom bayerischen Inzell nach Tremosine
Aufgewachsen im bayerischen Inzell, lernte er zunächst Einzelhandelskaufmann und arbeitete viele Jahre in Sport- und Outdoorgeschäften. Die Berge spielten dabei immer eine wichtige Rolle, doch sein Weg führte ihn zunächst weit weg von seiner Heimat. Über verschiedene Stationen in Deutschland gelangte er schließlich nach Karlsruhe.
Dort begann Mitte der 1990er Jahre eine Entwicklung, die sein Leben verändern sollte. Für Freunde bot er erste Kurse in einer Kletterhalle an. Klettern war damals noch weit entfernt von dem Boom, den der Sport heute erlebt. Aus den ersten Treffen wurden regelmäßige Kurse. Thomas absolvierte die notwendigen Ausbildungen und organisierte bald Kletterwochen in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und am Gardasee. Den entscheidenden Kontakt zur Region verdankte er seinem Bruder. Dieser arbeitete bereits damals als Surflehrer in Limone sul Garda und betrieb eine eigene Surfschule.
Je häufiger Thomas an den Gardasee kam, desto stärker faszinierte ihn die Landschaft oberhalb von Limone. Auf der Hochebene von Tremosine fand er genau das, wonach er gesucht hatte: spektakuläre Natur, zahlreiche Möglichkeiten zum Klettern, Mountainbiken und Wandern – und gleichzeitig deutlich weniger touristische Erschließung als beispielsweise im benachbarten Arco. "Damals gab es hier noch keine Outdoorschule", erinnert er sich.
Ein Pionier für Outdoor-Erlebnisse
2003 traf Thomas eine mutige Entscheidung. Er verließ Deutschland, packte sein gesamtes Hab und Gut zusammen und zog dauerhaft nach Voltino.
Voltino ist einer von insgesamt 18 Ortsteilen, aus denen Tremosine besteht. Anders als viele Besucher vermuten, ist Tremosine kein einzelner Ort, sondern eine weitläufige Hochebene mit verstreuten Dörfern, Wiesen, Wäldern und Berglandschaften. Hier gründete Thomas seine Outdoor-Schule SKYclimber.
Anfangs standen vor allem Klettertouren und Mountainbike-Ausflüge auf dem Programm. Wenig später kam eine weitere Sportart hinzu, die damals kaum jemand kannte: Canyoning. Als SKYclimber 2005 die ersten Touren anbot, existierten in der Region gerade einmal ein oder zwei bekannte Schluchten.
Neue Schluchten gesucht
Gemeinsam mit anderen Bergführern machte sich Thomas auf die Suche nach neuen Schluchten. Auf Karten wurden mögliche Routen identifiziert, anschließend folgten oft tagelange Erkundungen vor Ort. "Man muss schauen, wo ein sicherer Einstieg möglich ist, wo die Tour wieder endet und ob die Schlucht überhaupt dauerhaft begehbar ist." Viele der heute genutzten Touren wurden damals erstmals erkundet und erschlossen. Und selbst heute gehört die regelmäßige Kontrolle der Routen zum Alltag. Nach starken Regenfällen oder Unwettern muss überprüft werden, ob alle Passagen weiterhin sicher begehbar sind.
Aktiv sein – in jedem Alter
Dass Outdoor-Sport nur etwas für junge Menschen sei, hält Thomas ohnehin für ein Missverständnis. "Die sogenannten Best-Ager zwischen 50 und 65 Jahren sind oft deutlich aktiver als viele Jugendliche", sagt er lachend. Entsprechend vielfältig sind die Angebote von SKYclimber heute. Neben anspruchsvollen Touren gibt es leichte Wanderungen, familienfreundliche E-Bike-Ausflüge und Klettersteige, die auch für Einsteiger gut geeignet sind. Wer möchte, kann sportlich an seine Grenzen gehen. Wer lieber die Landschaft genießt, findet ebenso passende Angebote.
Das wahre Tremosine
Nach mehr als zwanzig Jahren lebt Thomas noch immer mit großer Begeisterung in Tremosine. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen drei Kindern hat er hier längst eine zweite Heimat gefunden. Was ihn bis heute begeistert, sind nicht einzelne Sehenswürdigkeiten, sondern die Potenziale, die diese Landschaft bietet. "Wandern, Mountainbiken, die Wälder, die Ruhe – all das macht Tremosine aus."
Wer sich ein wenig auskennt, könne hier drei oder vier Stunden unterwegs sein, ohne einem Menschen zu begegnen. Genau diese Ruhe ist in einer immer hektischeren Welt zu einem besonderen Luxus geworden, glaubt Thomas.
Vielleicht ist das das eigentliche Geheimnis von Tremosine: Die spektakulären Aussichtspunkte sind beeindruckend. Die wahre Stärke der Region liegt jedoch in den stillen Wegen dazwischen – dort, wo Natur, Bewegung, Genuss und Entschleunigung zusammenfinden.
Mehr Infos zur Outdoor-Schule SKYclimber von Thomas Engels.
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